Reply To: Emotionen und Beziehungssignale

  • MarcusRaible

    Mitglied
    11. Mai 2024 at 13:04

    Was verstehen wir in der modernen Erziehung unter “Verstärkung von Verhalten”?

    Verstärkung von Verhalten ist das Auslösen guter Gefühle im Kind, in Zusammenhang mit einem gerade vorangegangenen Verhalten des Kindes. Dabei spielt es keine Rolle, ob das gezeigte Verhalten des Kindes in den Augen der Eltern richtig oder falsch war. Lösen also die Reaktionen der Umwelt im Kind gute Gefühle aus, wird das gerade gezeigte Verhalten verstärkt.

    Erwünschtes Verhalten:

    Macht ein Kind etwas richtig oder sind wir vom Verhalten des Kindes begeistert, löst unsere Zuwendung und Begeisterung im Kind ein gutes Gefühl aus. Hier sprechen wir vom klassischen Loben.

    Unerwünschtes Verhalten:

    Zeigt ein Kind jedoch Verhaltensweisen, die Eltern nicht gut finden und reagieren Eltern trotzdem warm und zugewandt, dann verstärken Bezugspersonen auch das unerwünschte Verhalten. Aber warum kann das Eltern immer wieder passieren?

    Eltern lieben ihre Kinder und wollen es ihnen auch zeigen. So glauben viele Erwachsene, wenn sie nur lange genug freundlich und zugewandt bleiben, dann wird sich das Verhalten des Kindes schon so verändern, wie Eltern es sich wünschen. Dies kann funktionieren, tut es aber bei sehr vielen Kindern nicht.

    Viele Eltern werden jetzt denken, aber ich setze doch Grenzen und sage meinem Kind auch, was ich nicht möchte. Und das ist auch richtig. Jedoch hat sich über 20 Jahre berufliche Erfahrung gezeigt, dass Eltern die Grenzen zu spät setzen und Fehlverhalten zunächst doch verstärken. Erst wenn ein Fehlverhalten schließlich zu häufig und gesteigert vom Kind gezeigt wurde, werden Eltern in der Grenzsetzung etwas klarer. Dies bedeutet aber auch, dass Bezugspersonen zunächst das Verhalten bei Kindern unbewusst aufbauen und zu lange tolerieren, um es zu einem späteren Zeitpunkt wieder begrenzen zu müssen, wenn es zu auffällig wird.

    Meine Tipps für die Grenzsetzung:

    Liebe und Verhalten sind völlig unterschiedliche Themen. Der folgenden Satz soll dies verdeutlichen:
    (…Mein Kind…), ich liebe dich über alles, aber das Verhalten, das du gerade gezeigt hast, war nicht in Ordnung. Kinder sind somit auf eine klare Rückmeldung angewiesen, die auf Liebe basiert.

    Wichtig ist dabei: Bringen Sie Ihre Gefühle bei der Grenzsetzung klar zum Ausdruck und übergehen Sie Ihre Gefühle möglichst nie. Tun Sie dies unbewusst trotzdem zu lange, werden Sie Emotionen von Wut spüren. Darunter würde auf Dauer die Bindungsqualität leiden. Übergeht Ihr Kind Ihre Grenzen jedoch immer wieder, sollten Sie sich die Ursachen genauer anschauen.

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